Von Politik, Rosen und einem Versprechen

Gut gelaunter Ministerpräsident Horst Seehofer zu Gast beim Rottaler Gespräch − Eintrag ins Goldene Buch

Es herrschte Ausnahmezustand im ländlichen Bad. Viereinhalb Stunden war Ministerpräsident Horst Seehofer am Sonntag zu Gast. Er erfüllte Foto- und Autogrammwünsche, unterhielt sich mit Ruthart Tresselt beim Rottaler Gespräch über eine Vielzahl von Themen und beantwortete auch die Fragen aus dem Publikum geduldig. Vor den Torendes Gasthauses Wasner warten bereits Landrätin Bruni Mayer, Bürgermeister Josef Hasenberger, Bezirkstagspräsident Manfred Hölzlein, MdL Reserl Sem und Regierungspräsident Heinz Grundwald sowie eine große Gefolgschaft um die Familie Weber. Pfarrkirchens Polizeichef Elmar Buchbauer und seine Mitarbeiter haben die Lage im Griff. Alle paar Sekunden sind aus den Funkgeräten neue Lagemeldungen zu hören. Gerade einmal zehn Minuten später als geplant trifft der Landesvater ein.

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Mittlerweile hat sich auch Pfarrkirchens Bürgermeister Georg Riedl zu den Wartenden gesellt. Bei ihm, so heißt es, war der Ministerpräsident − ein Jugendfreund Riedls − zuvor zu Gast. Dies bestätigt der Rathauschef. Zum Inhalt des Treffens sagt er nichts: „Das war rein privat. Wir wollten uns einfach wieder einmal sehen“, so Riedl. Zwei Limousinen fahren vor, aus der zweiten steigen Seehofer und seine Frau Karin. Mit einem strahlenden Lächelnd grüßt sie die Wartenden. Landrätin Bruni Mayer übergibt als erste ein Gastgeschenk, Fotos und Interviews folgen. Es dauert Minuten, bis Horst und Karin Seehofer im herrlich dekorierten Hofgarten des Gasthauses Wasner angelangt sind. Das offene Geviert ist wieder Schauplatz einer politischen Diskussion und voll besetzt. Was ist am wichtigsten, will Ruthart Tresselt wissen. Seehofer lässt die Frage im Raum stehen, sagt zu seinem Publikum erst einmal „Grüß Gott“ und erzählt vom Ablauf dieses Tages. Um sechs Uhr früh aufstehen − zunächst für Ehefrau Karin. „Heute war sie für den Hund zuständig“. Dann zum großen Gautrachtenfest nach Ampfing. „Mit 9000 Besuchern haben wir gefeiert. Das gibt es nur in Bayern“, sagt Seehofer. Nachmittags der Besuch bei Georg Riedl in Pfarrkirchen, „und jetzt löse ich ein jahrelanges Versprechen ein“, meint er zu Ruthart Tresselt. Der Chef des Münchner Presseclubs nickt zustimmend. Einen Besuch Seehofers gab es schon im Februar 2005. „Da war ich noch in der Verbannung in meiner Partei“, frotzelt er. Die Finanzkrise wird Thema. Mit Freude sei er in die Staatskanzlei eingezogen.

Aber dann: „Der Finanzminister hat mir gesagt: Entweder zehn Milliarden, oder die Landesbank ist pleite.“ Dennoch sei Bayern ein „Fünf-Sterne-Land, Premium in Deutschland“. Das gelte nach neuesten Erkenntnissen sogar für die deutsche Sprache. „Bayern können eben alles, auch Deutsch“.

Mit Blick auf die Finanzkrise spricht der Ministerpräsident von der größten Herausforderung in der Nachkriegsgeschichte und lobt die Besonnenheit aller Akteure, vor allem auch in der Wirtschaft. Schulden, Sozialpolitik, Gesundheitsreform, Europa und Wehrpflicht es gibt kaum ein aktuelles Thema, das in der Folge nicht besprochen würde. „Ich bin ein großer Anhänger der europäischen Idee, die europäische Integration ist die genialste Nachkriegsidee. Bayern profitiert am meisten davon“, sagt er unter dem Beifall vieler Besucher. Europa soll sich aber auf die großen Fragen konzentrieren. „Den Regionen müssen wir das überlassen, was sie besser können“ Wie immer bei den Rottaler Gesprächen folgt die Diskussionsrunde mit dem Publikum. Landrätin Bruni Mayer fordert die Unterstützung ein, wenn es um grenzübergreifende Projekte gehe. Gemeint ist die Kooperation der Kreiskrankenhäuser mit Braunau. Seehofer sagte ihr Unterstützung zu: „In benachbarten Regionen muss man zusammenarbeiten“. Eine Frage von MdL Konrad Kobler nach Erleichterungen beim Mehrwertsteuersystem weist Seehofer vorsichtig zurück. „Die Koalition hat vereinbart, die Struktur der Mehrwertsteuer zu prüfen. Im September soll ein zeitlicher Fahrplan vorliegen. Wir haben vereinbart, bis dahin nicht zu diskutieren. Nur so viel fügt er noch an: „Es ist ein Gesamtkonzept nötig, das schlüssig ist“ Niederbayern lobt er als Aufsteigerregion, die derzeit die niedrigste Arbeitslosenquote im Freistaat hat. Auf Frage von Albert Schallmoser nach zusätzlichen Fördermöglichkeiten für die Nutzung von Wärme der Biogasanlagen meint Seehofer: „Wir brauchen ein dezentrales Energienetz“. Derzeit würde erarbeitet, wie das in die Förderung eingebunden werden kann. Nach Visionen fragte Stephan Barbarino. Eine hat der Ministerpräsident gleich parat. Beim Deutschen Museum in München soll ein Eingangsbereich in Form eines futuristischen Bauwerks entstehen, um architektonisch auszudrücken, was Bayern ausmacht. Die Wirtschaft wolle 75 Prozent der Kosten tragen. „Es gipfelt darin, dass dieser Bau per Laserstrahlen verbunden wird etwa mit der Allianz- Arena, der Staatskanzlei und anderen wichtigen Punkten in München“. Die Diskussion neigt sich dem Ende, der Tag für Seehofer noch nicht. Er trägt sich ins Goldene Buch des Marktes ein. Bei dieser Gelegenheit formuliert Birnbachs Bürgermeister Josef Hasenberger die Bitte nach Unterstützung beim Tiefgaragenprojekt in der Kurzone. Für Seehofer hat er Birnbach-Rosen dabei. „Sie haben herausragende Eigenschaften, gehören zu den schönsten Beetrosen, sind Dauerblüher und widerstandsfähig, robust und setzen keinen Rost an“, sagt Hasenberger. Also fast so, wie ein Politiker. Seehofer erfüllt Foto- und Autogrammwünsche und zieht sich mit PNP-Chefredakteur Ernst Fuchs zum Interview ins Zirberlstüberl des Gasthauses Wasner zurück.Nach viereinhalb Stunden in Bad Birnbach tritt er mit seiner Frau Karin die Heimreise an.


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