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2018: Das Bruder Konrad Jahr

2018: Das Bruder Konrad Jahr

auf den Spuren des Heiligen im Rottal

Laden Sie die Broschüre hier  herunter. Ein gedrucktes Exemplar erhalten Sie in der Gästeinformation im Artrium (Kurallee 7, 84364 Bad Birnbach).

Aufatmen, das Leben spüren, den Kopf frei bekommen, in Bewegung kommen, Erholung für Leib und Seele - danach sehnen sich viele. Sehnen Sie sich auch danach? Wir möchten Ihnen als Wegbegleiter für Ihre Suche diese Broschüre mit Touren, Texten und Meditationen in die Hand geben. Auf ihren Wegen wird sie ein beeindruckender Rottaler begleiten: Johannes Birndorfer, besser bekannt als Bruder Konrad. Heuer jährt sich am 22. Dezember zum 200. Mal der Geburtstag vom Birndorfer Hansl. Er ist – im wahrsten Sinne des Wortes – ein ganz besonderer Heiliger. „Das Kreuz ist mein Buch“, hat er gesagt und zeitlebens die Nähe zu Gott gesucht. Freilich nicht mit Glanz und Gloria, sondern mit einem schlichten, aber ehrlichen und mit viel Demut verrichteten Dienst als Klosterpförtner.

Wir möchten mit dieser Broschüre Spuren aufzeigen, die Johannes Birndorfer in der Region hinterlassen hat. Wir möchten zum Nachdenken anregen: über Gott und die Welt, über Bruder Konrad, den stillen Heiligen aus dem Rottal, und vor allem über sich selbst und den eigenen Weg. Sie finden in der Broschüre Tourenvorschläge, Texte zu Bruder Konrad und zu Orten in Bad Birnbach und Umgebung. Sie finden zudem Impulse, wie uns Bruder Konrad heute zum Leben einladen kann und Meditationen, die sie auf dem Weg oder daheim, einmal oder immer wieder übern können. Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Gehen, beim Lesen und vor allem stille, heilsame Erfahrungen in der Meditation!

Spuren des Birndorfer Hans – des hl. Bruder Konrad von Parzham – in Birnbach

- von Hans Putz -

Hans Birndorfer vom Venushof in Parzham bei Weng – der spätere Kapuzinerbruder Konrad von Altötting – war schon in seiner Jugend durch besondere Frömmigkeit aufgefallen. So ist es erklärbar, dass seine Birnbacher Spuren meist aus den Heiligsprechungsakten im Archiv des Bistums Passau zu entnehmen sind. Der Kapuzinerpater Joseph Anton, Vizepostulator bei den Selig- und Heiligsprechungsprozessen von Bruder Konrad, verfasste aus seiner Kenntnis die Biografie: Im Dienste Gottes und der Menschen – ein Lebensbild des Dieners Gottes Bruder Konrad von Parzham (erste Auflage 1927). Darin wird auch offenkundig, wie der 1818 geborene Birndorfer Hansl in der Zeit zwischen ca. 1833 und 1848 mit der Pfarrei Birnbach verbunden war. Unabhängig davon ist auch bekannt, dass Hans Birndorfer zahlendes Mitglied der Frühmessversammlung Birnbach war. Deren rd. 2.400 Mitglieder (in und außerhalb der Pfarrei Birnbach) finanzierten mit ihren Beiträgen den Unterhalt eines eigenen Frühmessbenefiziaten. Dieser zelebrierte täglich (anfangs um 5 Uhr, dann 6 Uhr) in Birnbach die Frühmesse. Die Mitglieder dieser Bruderschaft nahmen auch an den Gnaden teil, welche durch dieses tägliche Messopfer gewonnen werden konnten.

Der bereits genannte Kapuzinerpater Joseph Anton informiert auch von der Mitgliedschaft des Birndorfer Hansl im Birnbacher Jünglingsbund, einem Vorläufer des Kath. Burschenvereins. Wirtshäuser betrat der junge Bauernbursch aus Parzham sogut wie nie. Nur bei Gelegenheit einer Theateraufführung des Jünglingsbundes … war er er unter den Zuschauern. Als etwas Denkwürdiges wurde erzählt, dass der Birndorfer Hansl dabei auch gelacht habe. Der Autor erwähnt auch dessen sonntägliche Kirchenbesuche in Birnbach, dessen Heimweg über die Lugens und seine Einkehr in der dortigen Holzkapelle.

Ausführlich berichtet darüber auch Georg Bergmann in seinem 1965 erschienenen Buch: Bruder Konrad von Parzham – Einer der klein genug war. Er schreibt, die Mutter habe schon den kleinen Hansl mitgenommen in die Lugens zur hölzernen Marienkapelle. Hans wird kritisch beobachtet … warum er am Sonntag in die Frühmesse nach Griesbach … in den Hauptgottesdienst nach Weng (seiner Pfarrkirche), in die Nachmittagsandacht (Vesper) nach Birnbach geht, sodass er manchmal erst um 4 Uhr (nachmittags) heimkommt. Man sieht ihn nachmittags den ganzen Weg von einer Stunde nach Birnbach unbedeckten Hauptes zurücklegen. Erst beim Betreten der Hofmark Birnbach setzt er den Hut auf, er wollte nicht als Heuchler oder Frömmler erscheinen, der sein Beten zur Schau trägt. Ein noch lebender Gewährsmann hat es von seinen Eltern überliefert erhalten: „Wir trafen den Venushansl oft in den Bruderschaftsandachten zu Birnbach.“ Welche Bruderschaft hier gemeint ist, geht aus dem Buch nicht hervor.

In der Pfarrkirche Birnbach … sucht (er) sich in der vordersten Bank auf der Evangelienseite (der linken Seite in Richtung Hochaltar) den äußersten Platz an der Wand, wo er unverwandten Blickes mehrere Stunden im Gebet blieb, um als Letzter, nach allen Andächtigen die Kirche zu verlassen. Die Beobachterin war Anna Schmidhuber, damals noch ein Schulkind. Sie fährt fährt fort: „Von ihm ungesehen, beobachtete ich ihn regelmäßig, wie er, wenn er sich allein glaubte, seinen Platz verließ und näher zum Altare schritt, bis er auf den obersten Stufen an der Evangelienseite niederkniete. In dieser Stellung verharrte er oft zwei Stunden“ … Der 21jährige Bauernbursch muss noch ein sehr unverbrauchtes jugendliches Aussehen gehabt haben, denn die sechsjährige Nanni Schmidhuber hielt ihn um das Jahr 1840 herum noch für einen „Feiertagsschüler“ (Berufsfortbildungsschule an Sonn- und Feiertagen) von 15 Jahren.

Sie berichtet weiter: „Einmal betete ich am Sonntagnachmittag am Grab meiner Mutter (der Friedhof war noch um die Kirche). Da kam der Hans an mir vorüber, ich fragte ihn: „Was tust denn da? Vergönnst dir jetzt wirklich nicht einmal ein Bier, da du doch schon lange bei der Hitze in der Kirche gewesen bist?“ Er antwortete etwas verlegen: „Ja, ich trink keins … aber ich tu es nicht wegen des Geldes.“ Die Zeugin beobachtete, wie der Hans einen Umweg nach seiner Heimat einschlug, als er Richtung Lugens ging. Auf meine Bemerkung: „Da möchte ich nicht gehen, da tät ich mich fürchten“, erwiderte er: „Mir tut niemand was.“ Vom Gerichtshof befragt, warum wohl der Hansl den Umweg machte, erklärte sie: „Ein Grund dafür war meines Erachtens der, dass er ungestört, ohne in eins der sechs Wirtshäuser (von Birnbach) gerufen zu werden, nach Hause kommen wollte, andererseits, dass er sein langes Verweilen in der Birnbacher Kirche möglichst geheim zu halten versuchte.“

Eine weitere Quelle, um über das Leben des heiliggesprochenen Kapuzinerbruders Konrad etwas zu erfahren, ist das 1979 erschienene Büchlein des Passauer Dogmatikprofessor Dr. Alois Winklhofer: Der heilige Bruder Konrad von Parzham. Zwar findet man hier vieles von dem, was über den jugendlichen Birndorfer Hansl und seiner Kontakte zu Birnbach bereits niedergeschrieben wurde. In dem genannten Büchlein erfährt man dann doch von einer weiteren Birnbachspezifischen Begebenheit. So habe der Birndorfer Hans, bevor er bei Benefiziat Dullinger von Aigen am Inn seinen eigentlichen Seelenführer fand, beim Birnbacher Kooperator Voglsamer regelmäßig gebeichtet. Der genannte Kooperator war kein anderer als der Frühmessbenefiziat Joseph Voglsamer, welcher im Frühmesserhaus (heute Bruder-Konrad-Straße 2) wohnte. Die historische Straßenbezeichnung, Am Frühmesserberg, wurde vom Gemeinderat in den 1970er Jahren in Bruder-Konrad-Straße benannt.

Denn die Überlieferung weiß, dass sich der junge Hans Birndorfer in seinem Suchen nach religiöser Führung dem ihm von der Frühmessversammlung bekannten Benefiziaten Voglsamer anvertraute. Freilich, Joseph Voglsamer war zwar ein eifriger Seelsorger, aber doch mehr ein Priester des aktiven Handelns und weniger ein meditativer Seelenführer. Voglsamer war ein unermüdlicher Organisator und nie verzagender Spendensammler, der es fertigbrachte, nicht nur die Birnbacher Pfarrkirche und die alte Sebastianikapelle zu renovieren, sondern auch den Neubau des heutigen Kirchturms durchzuziehen. Deshalb ist es erklärlich, wenn es den späteren Bruder Konrad (er trat im September 1849 ins St.-Anna-Kloster Altötting ein) ab 1840 mehr zum Benefiziaten Franz Xaver Dullinger nach Aigen hinzieht. Man bedenke, dass der Venushansl auch diesen weiten Weg zu Fuß ging!

Insgesamt weiß auch Professor Alois Winklhofer nur wenig Neues über die Jugendjahre des Birndorfer Hansl zu berichten. Doch zitiert er eine weitere Zeugenaussage der Birnbacherin Anna Schmidhuber. Der immer gut gekleidete Hans sei … bei einem Jünglingsausflug mit dem Kooperator (priesterlicher Leiter der Gruppe) verwechselt worden. Fortan trug er deshalb ein gelbes Halstuch.
Wann dieser Ausflug des Birnbacher Jünglingsbundes war, entzieht sich unserer Kenntnis.

Damit sind die Quellen ziemlich erschöpft, welche die Spuren des jungen Hans Birndorfer in und bei Birnbach nachzeichnen lassen. Doch bei aller Knappheit der Überlieferung wird deutlich, dass der Venushansl von Parzham auch mit Birnbach in gewisserweise verbunden war. Das mag manche Zeitgenossen überraschen, die nach dem „Verdunsten der volkskirchlichen Strukturen“ wenig Verbindung zur Heimatpfarrei praktizieren. Für kirchennahe Christen jedoch ist der 1934 heiliggesprochene Kapuzinerbruder Konrad von Parzham ein Glaubenszeuge aus nächster Umgebung. Ein bescheiden dienender Pförtner am St. Anna Kloster in Altötting, ein Landsmann, der zum Rottaler Heiligen schlechthin wurde.