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Der Bräunl

Die Figur stellt nichts anderes als einen Mann in Narrentracht dar, der – ähnlich wie auf einem Steckenpferd – in einer Pferdea ttrappe reitet, dem Bräunl.

Der Faschingsbräunl geht auf die Zeit nach dem dreißigjährigen Krieg zurück. Man brauchte etwas, um die Menschen wieder aus den Häusern zu locken, ganz bestimmt aber auch etwas, um ihnen nach vielen entbehrungsreichen und schicksalhaften Jahren wieder Zuversicht und Lebensmut zu geben.Seinen Namen hat der Faschingsbräunl vom typischen braunen Pferd aus der uralten und berühmten Rottaler Pferdezucht. Der Reiter trägt eine „Saubladern“, eine Schweinsblase, die an einem Stock angebunden ist. Was vor ein paar Jahrhunderten entstand, hat die Zeit überdauert. Noch heute reitet der Bräunl immer zur Faschingszeit fürs Haberngeld und muntert die Leute zum fröhlichen Treiben auf. Die Tradition des Bräunls wurde bewusst auf dem Neuen Marktplatz verewigt. Hier trifft das gewachsene Birnbach auf die Entwicklung der neuen Zeit. Der Marktplatz ist das städtebauliche Bindeglied zwischen der altehrwürdigen Hofmark und dem Kurgebiet, das nach und nach seit der Eröffnung der Rottal Terme entstanden ist. Der dem „großen“ Vorbild Piazza del Campo in Siena (Toskana) nachempfundene Marktplatz mit seinen Arkaden verbindet südländisches Flair mit der Rottaler Tradition und einer altbayerischen Lebensweise. Dem Brunnen hat Bildhauer Josef Neustifter zuerst einmal ein großes Gefäß mit viel Wasser spendiert. Auf einer Krone sitzt eine Säule, die den närrischen Reiter samt seinem Bräunl trägt. Wie so oft, hat er noch weitere Feinheiten eingearbeitet. So gibt es eine Analogie zur „Badenden“, die man entdeckt, wenn man in das Brunnengefäß schaut. Und wie an jedem Neustifter-Brunnen gibt es viele kleine Ringe, die bestens dazu geeignet sind, den Brunnen zu schmücken. Übrigens nicht nur zur Faschingszeit, denn dem Wasser, das mächtig durch die Säule und die Krone ins Brunnenbecken herabfällt, darf man jederzeit eine Wertschätzung erbringen.
Das Werksverzeichnis von Neustifter ist für Interessenten in unserer Bibliothek Mamertus gerne auszuleihen.
(Josef Neustifter 1983, Werksverzeichnis II/19, Bildband „Neustifter“ Seite 155)

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