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Wieskapelle in Rotthalmünster

Wieskapelle in Rotthalmünster

In der Notzeit des 30-jährigen Krieges, im Jahre 1644 erbaute der Aldersbacher Zisterzienserpater Paul Reiser als Pfarrseelsorger von Rotthalmünster auf der Pfarrhofswiese in der Nähe des Kesselbaches eine hözlerne Kapelle und stellte in ihr ein aus Holz geschnitztes marianisches „Vesperbild“, eine Pieta, das Schnitzbild der schmerzhaften Gottesmutter mit dem toten Jesus auf dem Schoße auf. Die Angst und Not in Pestzeit und Krieg führte viele hilfesuchende Menschen zur Kapelle.  Gestärkt und getröstet, wie alte Votivbilder bezeugen, kehrten sie wieder heim. Die Holzkapelle am Bach litt aber oft durch Überschwemmung und wurde baufällig. Im Jahre 1737 ließ schließlich Abt Paulus von Aldersbach durch den Pfarrherrn von Münster, Joachim Häring einen Steinwurf von der alten Kapelle entfernt, am Fuße des sog. Leithenberges (heute Kalvarienberg), auf einer saftigen überreich bewässerten Wiese, wovon aller Wahrscheinlichkeit nach der Name herrührt, eine neue Kapelle aus Stein ausführen, die nach einem Chronogramm 1740 vollendet war. Doch was ziemlich ungewöhnlich war, Rotthalmünster sah einen Tross Kriegsknechte auch in zwar ungeübter, aber fleißiger Hantierung am Bau dieses Gotteshauses. Beim Kapellenbau leisteten die bayrischen Soldaten des Lieutenants Alois Baron von Lemmingen a Coulmain, der damals in den Jahren 1736-37 mit seiner Kompanie in Rotthalmünster in Quartier lag, beim Aushub des Grundes, bei der Beischaffung des Baumaterials und Herausmauern der Grundfeste wertvolle Hilfsdienste. Die bedeutendste Verschönerung erfuhr die Kapelle im Jahre 1774. Am 07. Juli dieses Jahres ratifizierte der Geistliche Rat in München, dass „in die vorhandene Wieskapelle, zu U.L. Frauen selig End genannt, zur Vermeidung der bisher öfter unternommenen Altarberaubung und Stockfischen ein eisernes Chorgitter beigeschafft werde“. Für die damalige Zeit sehr ansehnliche Summe von 375 Gulden fertigte der Schärdinger Schlossermeister Johann Georg Gruber in zierlicher Rokokokunst das noch vorhandene prächtige Chorabschlussgitter. Dieses Chorabschlussgitter, ein erstklassiges Prunk- und Meisterwerk der Schmiedekunst des Rokoko, ist eine prächtige Schmiedeeisenschöpfung mit gezierten Stäben, Ranken, Muscheln und Blumen. Den Mittelpunkt der Bekrönung bildet ein Strahlenherz. Der Initiator zur Errichtung war der Pfarrvikar Frater Theobald Rueland aus dem Kloster Aldersbach, der von 1769 – 1781 in Rotthalmünster wirkte und dessen Initialen F T R in der Mitte des Aufsatzes eingearbeitet sind. Nach dem 1. Weltkrieg, genauer gesagt 1923, hat man die Kapelle in eine sehr stimmungsvolle Kriegergedächtniskapelle umgewandelt. Aus der östlich der Kapelle stehenden Brunnennische rieselte früher heilkräftiges Wasser, welches besonders bei Augenleiden verwendet wurde. Das Lavabo ist eine Renaissancearbeit der Adneter Steinmetzhütte. Vermutlich ist die Brunnennische eine Arbeit des frühen 19. Jahrhunderts, das Lavabo mit der Jahreszahl 1661 aber stand wahrscheinlich ursprünglich bei einem Bräuer, wie der eingemeißelte Mann mit Schöpfer und Aehren vermuten lässt. Der Kreuzweg am Kalvarienberg wurde nach dem ersten Weltkrieg vom damaligen Pfarrer Johann Baptist Hinterheller errichtet.

freier Eintritt
frei zugänglich / immer geöffnet

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